Viktoria-Spieler Mike Wunderlich: „Einmal für den 1. FC Köln zu spielen, wäre mein Wunsch“

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Es gibt Spieler, die einfach den Unterschied ausmachen können. Mike Wunderlich, der im Mittelfeld des Regionalligisten Viktoria Köln die Fäden zieht, ist ein solcher Akteur, denn er vereint Kreativität mit Effizienz. Technisch ist es eine echte Augenweide dem 26-jährigen Ur-Kölner zuzusehen, doch er ist auch noch überaus torgefährlich, wie an seinen acht Saisontreffern abzulesen ist. Mit seinem ambitionierten Team belegt er unangefochten den ersten Tabellenplatz in der West-Staffel. Beeindruckend der Satz, der ihn auch prägen wird. So sagt der heimatverbundene Wunderlich: „Ich bin ein kölscher Junge, aus Köln gehe ich nie wieder weg.“

Der FC Viktoria Köln durchlebt in diesen Tagen eine extrem erfolgreiche Zeit, denn nach 12 Spieltagen belegt das Team von Trainer Heiko Scholz mit 31 Zählern die Tabellenspitze. Was von großer Relevanz ist, ist jedoch auch die Tatsache, dass auch im Fairplay-Bereich der FCV für Positivschlagzeilen sorgen konnte. Vor wenigen Tagen gab es deshalb eine Auszeichnung des Fairplay-Preises durch den DFB, den Mike Wunderlich im Namen der gesamten Mannschaft entgegengenommen hat. Dazu meint der ehemalige Zweitligaspieler des FSV Frankfurt: „Das ist natürlich großartig. Aber ich habe die Auszeichnung für die gesamte Mannschaft angenommen. Das ist nicht meine private Angelegenheit. Deshalb habe ich die Medaille auch direkt in die Kabine gehängt, da gehört sie hin. Auf jeden Fall waren das ein paar tolle Tage in Berlin, die ich sehr genossen habe.“

Der eloquente Wunderlich nennt gegenüber „DFB.de“ den Grund für diese Auszeichnung: “Wir hatten ein Heimspiel gegen den KFC Uerdingen, das war im Frühjahr. Da haben wir noch in der NRW-Liga gespielt, es stand 2:3. Plötzlich läuft ein gegnerischer Spieler alleine auf unser Tor zu und schiebt den Ball ins verlassene Tor. Er kullert in diese Richtung. Genau da macht sich unser Spieler Andreas Moog warm. Plötzlich läuft er auf den Platz und schießt den Ball kurz vorm Überqueren der Linie weg. Ich dachte, ich traue meinen Augen nicht. Der Schiedsrichter zeigt Andreas Moog die Rote Karte und gibt indirekten Freistoß für Uerdingen an unserem Fünf-Meter-Raum. Wir haben uns als Mannschaft kurz beraten. Aber es stand praktisch direkt fest, dass wir den Gegner das Tor schießen lassen werden. Wir sind alle weggegangen. Uerdingen hat dann das 4:2 gemacht und am Ende so auch gewonnen. Zum Glück sind wir wenig später trotzdem aufgestiegen“, so ein zufrieden wirkender Wunderlich, der über diese Art der speziellen Gerechtigkeit heilfroh gewesen ist.

Die Reaktionen nach dem Spiel hat Wunderlich versucht in einigen Worten zusammenzufassen. Er kann jedoch nicht verhehlen, dass ihn das Verhalten seines ehemaligen Mannschaftskameraden schon ein wenig irritiert hat: „Wir waren alle fassu
ngslos. So etwas hatte noch keiner von uns erlebt. Vor allem konnten wir nicht glauben, dass ausgerechnet Andreas Moog so eine Aktion gemacht hat. Er ist eigentlich ein extrem fairer Sportler. Hinterher hat er sich direkt entschuldigt. Auch für ihn war das alles völlig unerklärlich. Solche Geschichten schreibt nur der Fußball.“

Auf den ersten Blick ist es sicherlich arg verwunderlich, dass mit Viktoria Köln ein Aufsteiger aus der fünftklassigen NRW-Liga auch eine Spielklasse höher wieder an der Tabellenspitze steht. Für den Spielmacher des Aufstiegsfavoriten ist diese Situation eher die realistische Wiedergabe der Stärke vom rechtsrheinischen Team: „Dass wir eine gute Mannschaft zusammen haben, wussten wir. Deshalb haben wir auch vorher sehr offensiv formuliert, dass wir unter die ersten Fünf wollen. Dass wir jetzt ganz oben stehen, ist natürlich umso schöner.“

Dennoch hat er nicht nur den Lokalrivalen Fortuna Köln auf der Rechnung: „Auch die Reserve von Schalke 04 ist uns noch auf den Fersen. Meinen ehemaligen Verein Rot-Weiß Essen halte ich ebenfalls für gefährlich, Lotte und Wuppertal haben wir schon etwas distanziert. Diese Liga macht mit den vielen Traditionsvereinen auf jeden Fall richtig Spaß.“

Eine ganz spezielle Meinung hat er noch über die Konkurrenzsituation zum Südstadtverein Fortuna Köln, wenn er sagt: „Es ist in Ordnung, so wie es sein muss. Ich schätze die Arbeit des Konkurrenten sehr, denn ich habe viele Freunde in der Mannschaft. In Köln sollte man stolz darauf sein, hinter dem FC zwei so ambitionierte Vereine zu haben, die derzeit die Regionalliga dominieren. Ich habe viele Begegnungen der Fortuna gesehen und kann wirklich nur den Hut ziehen. Das ist ein großer Konkurrent für uns. Die stehen derzeit absolut zu Recht auf dem zweiten Tabellenplatz. Ich freue mich auf den 24. November. Das steht das große Derby auf dem Programm. Für solche Duelle spielt man doch Fußball.“

Viele Kritiker der Viktoria bewerten den Erfolg nicht so ehrlich, da vor allem der schwerreiche Investor Wernze für die Kaderfinanzierung zuständig gewesen ist. Richtig ernst nehmen, tut Wunderlich diese Gegner nicht: „Darüber kann ich nur lachen. Das können lediglich Leute sagen, die noch nie bei uns waren. Wir arbeiten sehr hart für den Erfolg. Und ich bin davon überzeugt, dass der eine oder andere Verein in der Regionalliga einen höheren Etat hat. Aber für mich spielt es keine Rolle, was andere sagen. Denn genauso muss ich immer laut lachen, wenn wir mit Klubs wie RB Leipzig und der TSG Hoffenheim verglichen werden. Dazwischen liegen Welten. Wir haben noch nicht einmal ein Trainingszentrum, das Regionalliga-tauglich ist. Sportlich läuft es gut, aber infrastrukturell hinken wir noch ordentlich hinterher.“

Das klare Ziel lautet ganz klar, dass der Aufstieg in die Drittklassigkeit schnellstmöglichst geschafft werden sollte. Das Potential für den Sprung in den Profifußball hat die Viktoria definitiv, wie Wunderlich zugeben muss: „Wir geben alles dafür, aber das ist noch ein weiter Weg. Selbst wenn wir Erster werden, kommen ja noch die Aufstiegsspiele. Sicher ist es mein Ziel, in dieser oder der nächsten Saison den Sprung zu schaffen. Die Hinrunde ist jetzt zu einem großen Teil beendet. Da kann man durchaus ein erstes Zwischenfazit ziehen. Und in unserem Fall muss man sagen, dass wir ganz sicher das Potenzial dazu haben. Wir haben alle Konkurrenten geschlagen: Lotte, Schalke, zuletzt die Sportfreunde Siegen. Dazu haben wir gegen Wuppertal in der letzten Minute ein Unentschieden gesichert, das war wichtig. Am kommenden Wochenende empfangen wir Essen, darauf freue ich mich sehr. Ich erwarte eine tolle Atmosphäre. Danach steht schon bald das Duell gegen Fortuna Köln auf dem Programm. Es ist ganz klar: Wir wollen diese Gegner möglichst distanzieren.“

Damit die bundesweite Bekanntheit weiter steigen kann, wäre vor allem auch der Einzug in den DFB-Pokal eminent wichtig, um auch das Image dieses für viele noch unbekannten Vereins noch erheblich zu verbessern. Über die Chance im Pokalwettbewerb meint Wunderlich: „Sicher, auch das ist möglich. Aber wir haben mit Alemannia Aachen und erneut Fortuna Köln auch hier starke Konkurrenten. Außerdem haben wir ja in der ersten Runde erlebt, wie schnell es vorbei sein kann. Wir haben uns gegen den SV Bergisch Gladbach erst im Elfmeterschießen durchgesetzt, da hatten wir viel Glück. Ich bin ganz ehrlich: Diesen Sieg hatten wir nicht verdient. Aber wen interessiert das am nächsten Tag schon noch?“

Bundesweit in die Schlagzeilen ist Mike Wunderlich vor allem durch seinen offenen Umgang mit seiner Burn-out-Erkrankung gerückt. Trotz sportlich ansprechender Leistungen musste er beim Zweitligisten FSV Frankfurt seine Zweitligakarriere beenden da er es mental nicht mehr schaffte, sportliche Höchstleistungen zu bringen. Seit dieser Offenbarung lebt er wieder in Köln im Umkreis von Familie und Freunden. Offensichtlich hat ihm diese Heimkehr richtig gut getan, denn sportlich und auch menschlich blüht der sympathische Mittelfeldspieler regelrecht auf, wie er „DFB.de“ verraten hat: „Ich hatte eine schwere Zeit, jetzt bin ich glücklich bei der Viktoria. Wir haben hier noch viele Möglichkeiten. Ich kann mir vorstellen, noch lange dem Verein die Treue zu halten. Aber ich will auch nicht ausschließen, vielleicht noch einmal woanders mein Glück zu suchen, vielleicht in der zweiten Liga. Allerdings muss es ein Verein in der Nähe sein. Denn eines steht für mich fest: Köln verlasse ich nie mehr.“

Dennoch hat er noch einen Traum, den er auch im Alter von 26 Jahren noch offen träumt. Wenn man die Kölner Verhältnisse kennt, ist dieser Traum jedoch wahrlich keine Weltsensation. Die Fähigkeiten, um diesen sich selbst zu erfüllen, besitzt Wunderlich definitiv: „Ach wissen Sie, im Fußball kann so viel passieren. Ich habe schon so viel erlebt, ich würde nichts mehr ausschließen. Aber ich bin kein Träumer, ich bin keine 18 oder 19 Jahre mehr. Trotzdem sage ich Ihnen auch hier gerne die Wahrheit: Ja, ich bin ein kölscher Junge. Ja, ich würde mir wünschen, irgendwann noch mal das FC-Trikot zu tragen. Das liegt jedoch nicht nur in meiner Hand. Ich werde weiterhin versuchen, meine Leistung Woche für Woche zu bringen. Was dann dabei herauskommt, werden wir sehen. Aber so weit will ich noch gar nicht in die Zukunft gucken. Dafür haben wir hier beim FC Viktoria noch zu viel vor.“


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Empfehlung
Quelle: dfb.de
Autor: Henning Klefisch
Schlagworte: Viktoria Köln; Wunderlich; Wernze; Scholz; 1. FC Köln; Moog
Datum: 23.10.2012 17:07 Uhr
Url: http://www.4-liga.com/nachrichten-viktoria-spieler-mike-wunderlich--„einmal-fuer-den-1--fc-koeln-zu-spielen--waere-mein-wunsch“-2561.html
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