TSV Havelse-Trainer Andre Breitenreiter glaubt an die DFB-Pokalsensation

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Mit dem Regionalligisten TSV Havelse stellt sich in der zweiten Runde des DFB-Pokals ein viertklassiger Außenseiter vor, der sich im Duell gegen den krisengeschüttelten VfL Bochum eine echte Pokalsensation erhofft. In der Hauptrunde konnte bereits sensationell der Bundesligist 1. FC Nürnberg mit 3:2 nach Verlängerung besiegt werden. Nun soll der Tabellenvorletzte des deutschen Unterhauses gegen den kleinen Verein aus der Nähe von Hannover die nächste Überraschung am eigenen Leibe erleben. Dies ist zumindest das erklärte Ziel von Havelse-Trainer Andre Breitenreiter, der sich im Gespräch mit „DFB.de“ zu verschiedenen Themen umfassend geäußert hat. Eine ganz besondere Erinnerung hat der mittlerweile 39-Jährige noch an das Jahr 1992, als er mit seinem damaligen Verein Hannover 96 sensationell den DFB-Pokal holen konnte.

So richtig entscheiden kann sich Breitenreiter nicht, ob es sich um einen Traum oder Realität handelt, dass der TSV nach einem Testspiel im Sommer zum zweiten Mal den VfL Bochum im heimischen Stadion begrüßen darf. Deshalb äußert sich der ehemalige Profistürmer von Hannover 96, dem Hamburger SV, VfL Wolfsburg, Energie Cottbus und der Spielvereinigung Unterhaching wie folgt: „Wenn Sie mich so fragen, wahrscheinlich beides. Ich nehme an, Sie sprechen einerseits vom Duell in der zweiten Pokalrunde und andererseits von unserem Sieg gegen den VfL im Sommer in einem Vorbereitungsspiel. Wenn wir dieses Ergebnis wiederholen könnten, wäre es eine absolute Sensation und wirklich überragend.“
Im Testspiel während der warmen Sommermonate gab es einen Sieg für den Underdog aus der Regionalliga Nord. Diesem Erfolg misst der sympathische Breitenreiter keine allzu große Bedeutung bei, da die Bedeutung nicht gerade exorbitant aussagekräftig gewesen ist. Deshalb gibt er auch gegenüber „DFB.de“ unumwunden zu: „Das weiß ich nicht. Für mich hat dieses Spiel keine große Aussagekraft mehr. Beide Mannschaften haben da viel ausprobiert. Vielleicht ist Bochum dadurch etwas gewarnt, das kann durchaus sein. Aber meine Jungs wissen natürlich auch noch, dass sie gegen diesen Gegner einmal bereits gut ausgesehen haben. Aber es ist doch klar, dass alles zusammenkommen muss, damit eine Wiederholung möglich ist.“
Ihn zeichnet es auch aus, dass er ein bodenständiger Realist ist, der jedoch durchaus auch seine sportlichen Ambitionen nicht verbergen möchte, wenn er sagt: „An einem Tag ist immer alles möglich. Aber es ist doch definitiv klar, dass Bochum auf jeder Position individuell besser besetzt ist. Das sind absolute Profis, wir hingegen sind reine Amateure. Jeder muss über sich hinauswachsen, damit wir in diesem Aufeinandertreffen bestehen können.“
Bei manchen Regionalligisten, die im DFB-Pokal Highlights erlebt haben, fällt es auf, dass die Konzentration auf den Ligaalltag nicht mehr so gegeben ist. Dieses Manko hat Breitenreiter bei seinem Team jedoch nicht erkannt: „Sicher gab e
s bei allen eine riesige Vorfreude, das ist doch ganz normal. Aber die Ergebnisse in der Regionalliga Nord zeigen doch, dass darauf unser Fokus liegt. Wir liegen in der Meisterschaft nach zwölf Begegnungen auf dem dritten Platz. Wir haben eine gute Phase, darauf sind wir stolz. Aber man darf nicht vergessen, dass wir hier von Regionalliganiveau sprechen, das hat nichts mit 2. Bundesliga zu tun. Dennoch sind wir sehr stolz auf unseren Start. Wir gehören zu den zwei oder drei Klubs mit dem mit Abstand geringsten Etat in dieser Klasse. Alle Spieler arbeiten tagsüber oder studieren. Wir haben nur vier Trainingseinheiten in der Woche, allesamt abends. Umso höher ist die Leistung einzuschätzen. Das zeugt von einer außergewöhnlichen Einstellung.“
Sein großer Realismus kommt auch wieder zum Vorschein, wenn er den möglichen Aufstiegshoffnungen einen klaren Riegel vorschiebt, auch weil die infrastrukturellen Voraussetzungen nicht vergleichbar mit der Konkurrenz sind: „Das ist im Moment total unrealistisch. Wenn überhaupt, sind unsere Strukturen und Bedingungen gerade mal regionalligatauglich. Es wäre vermessen, in dieser Situation nach oben zu schauen. Wir freuen uns, dass wir uns in der Tabellenspitze festgebissen haben. Da wollen wir uns halten.“
Breitenreiter befindet sich in einer Trainergalerie mit solch illustren Namen wie Hans Siemensmeyer und Volker Finke, die bundesweite Bekanntheit erlangt haben. Dennoch spielen diese beiden ehemaligen Trainer des TSV Havelse keine allzu große Rolle mehr für die Gegenwart des Tabellendritten der Regionalliga Nord. Dies versucht Breitenreiter klar zu machen: „Nein, überhaupt nicht. Dafür ist das zu lange her. Natürlich weiß ich, dass Volker Finke hier seine ersten Trainererfahrungen gesammelt hat. Ich würde mich nicht dagegen wehren, wenn mein Weg genauso weitergehen würde. Die Bedingungen haben sich völlig verändert. Für mich ist einfach nur wichtig, dass ich meine ersten Schritte machen kann. Wir wissen, woher wir kommen. Hier verliert keiner die Bodenhaftung, und Fehler werden verziehen. Das sind gute Voraussetzungen, um zu lernen.“
Vielen Trainern ist es sichtlich schwer gefallen, dass sie neben ihrer Trainertätigkeit auch noch nebenbei die „Schulbank“ beim Fußball-Lehrer-Lehrgang in Hennef drücken mussten. Ehrlich räumt der Erfolgscoach jedoch auch die enorme Belastung ein, die eine gute Zusammenarbeit und ein hohes Maß an Vertrauen erfordert: „Es ist im Moment schon sehr stressig. Sonntags nach dem Spiel reise ich nach Hennef, Mittwochabend geht es zurück nach Havelse. Mir bleiben dann nur noch zwei oder drei Tage, um Einfluss auf die Mannschaft zu nehmen. Das funktioniert nur, wenn da ein Superteam hinter einem steht, das in meiner Abwesenheit die Verantwortung übernimmt. Der Erfolg zeigt, dass das bei uns der Fall ist, deshalb ist es derzeit eher ein positiver Stress.“
Über seine persönliche Zielsetzung als Trainer gibt der meinungsfreudige Daniel Breitenreiter bekannt: „Ich mache die Fußball-Lehrer-Ausbildung, um auch die Lizenz für die Bundesliga zu haben. Das ist doch das Ziel eines jeden hier. Aber ich bin mir schon bewusst, dass das nur Schritt für Schritt funktioniert. Wenn diese Treppe dann irgendwann in die Bundesliga führt, würde ich mich nicht wehren. Aber auch das funktioniert nur gemeinsam: Ich war als Spieler ein Teamplayer und bin es als Trainer ebenfalls.“
Bekanntlich hat Breitenreiter in der Bundesliga 144 Spiele bestreiten können, in denen er 28 Treffer erzielte. Zwischen 1991 und 2010 dauerte seine Karriere, die er bei Hannover 96 begonnen hatte und bei seinem jetzigen Verein TSV Havelse vor gut zwei Jahren abschloss. Über einen möglichen Vorteil in seiner Karriere meint er: „Das kann ich schlecht beurteilen. Es ist gewiss nie von Nachteil, eine Erfahrung als Profi und damit einen Namen in der Szene zu haben. Aber das ist sicher nicht das entscheidende Kriterium. Viel wichtiger ist meiner Meinung nach, wie man als Trainer arbeitet und welche Erfolge man in diesem Bereich nachweisen kann.“
Und verweist mit einem kleinen Funken von Stolz auf seine Entwicklung, die er mit der Mannschaft seit seinem Amtsantritt durchgemacht hat: „Ich habe die Mannschaft vor gut eineinhalb Jahren in der Winterpause mit elf Punkten übernommen. Havelse war praktisch abgestiegen. Aber wir haben in der Rückserie 25 Zähler geholt und den Klassenverbleib doch noch geschafft. In der vergangenen Serie sind wir dann mit unseren bescheidenen Möglichkeiten Fünfter geworden und haben den Niedersachsenpokal gewonnen, sind dadurch in den DFB-Pokal eingezogen und haben dort mit Nürnberg einen Bundesligisten besiegt. Und jetzt sind wir sogar im Aufstiegskampf. Mehr geht eigentlich nicht. Das ist schon fantastisch und macht mich mächtig stolz. Ich bin gespannt, wohin mein Weg führt - und der der Mannschaft.“
Über den DFB-Pokalsieg im Jahr 1992 mit dem Außenseiter Hannover 96 gegen den hohen Favoriten Borussia Mönchengladbach schwelgt der schnelle und technisch starke Angreifer in Erinnerungen und teilt mit: „Das war mein erstes Profijahr. Ich durfte in der Nacht nach dem Sieg als Jüngster auf den Pokal aufpassen. Zusammen mit meiner damaligen Freundin und jetzigen Frau habe ich mit dem Pokal im Bett geschlafen. Das sind außergewöhnliche Momente, die mir niemand mehr nehmen kann.“
Und nennt zugleich auch die zahlreichen Spiele für die Nachwuchsmannschaften des DFB, die er als talentierter Stürmer absolviert hat. Freudig berichtet er gegenüber „DFB.de“: „Ich war ja von der U 16 bis zur U 21 dabei. Das war eine ganz tolle Zeit, unter anderem die U 20-Weltmeisterschaft in Australien. Wir waren viel auf Reisen, ich war mit zahlreichen späteren A-Nationalspielern in einer Mannschaft, ich durfte unter großartigen Trainern arbeiten. Auch das sind Augenblicke, die nur wenige Spieler erleben dürfen. Leider haben mich langwierige Verletzungen in entscheidenden Momenten gestoppt. Trotzdem, es war eine überragende Zeit. Viele haben diesen Traum, ich durfte ihn leben.“ Möglicherweise kann er im Spiel gegen den VfL Bochum wieder versuchen eine neue Erfolgsgeschichte zu schreiben. Auch wenn ein ähnliches Kunststück wie damals eher unrealistisch ist, so ist zumindest gegen den sportlich angeschlagenen VfL Bochum ein Weiterkommen keine Utopie.


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Quelle: dfb.de
Autor: Henning Klefisch
Schlagworte: TSV Havelse; VfL Bochum; Breitenreiter; DFB-Pokal
Datum: 30.10.2012 16:35 Uhr
Url: http://www.4-liga.com/nachrichten-tsv-havelse-trainer-andre-breitenreiter-glaubt-an-die-dfb-pokalsensation-2620.html
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