Holstein Kiel-Manager Bornemann: „Wir sind jetzt noch gefestigter“

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Der norddeutsche Traditionsverein Holstein Kiel kann in diesem Jahr 2012 ein ganz besonderes Jubiläum feiern. Im Jahr 1912 wurden die „Störche“ Deutscher Meister und galten als Vorzeigeteam im noch jungen deutschen Fußball. Seitdem ist viel passiert in der Handballstadt an der Ostseeküste. In der Bundesliga war der KSV nicht vertreten. Meist unterklassig spielte der populäre Verein, der im letzten Jahr im DFB-Pokal für Furore sorgen konnte. Nun sind die Kieler Herbstmeister der Regionalliga Nord und den Aufstieg in die 3. Liga sich als klares Ziel ausgerufen.

In der Spielzeit 2009/10 ist Holstein Kiel das letzte Mal drittklassig gewesen. Finanziell hat sich der Verein deutlich erholt, was auch ein Verdienst des ehemaligen Bundesligamanager Andreas Bornemann ist, der seit Februar 2010 als Sportdirektor beim norddeutschen Kultklub arbeitet. Am heutigen Montag gibt es das absolute Topspiel beim punktgleichen Tabellenzweiten Hannover 96 II. Anlass genug, um mit „DFB.de“ ein Gespräch über verschiedene Themen zu führen, die vor diesem eminent wichtigen Spiel bewegen.
Viele Experten sind der Ansicht, dass Kiel und Hannover II die beiden stärksten Mannschaften der viertklassigen Regionalliga Nord darstellen. In diesem Match gibt es eine Entscheidung über die Herbstmeisterschaft. Sportdirektor Bornemann kann sich nicht so richtig entscheiden, ob die Vorfreude oder die Anspannung überwiegen könnte: „Es ist eine Mischung aus beiden. Doch je näher das Spiel rückt, desto mehr freuen wir uns auf dieses Kräftemessen. Beide Mannschaften marschieren seit einigen Wochen im Gleichschritt an der Tabellenspitze. Nun besteht die Möglichkeit, einen kleinen Abstand aufzubauen. Das sollte Anreiz genug sein.“
Beim spielstarken Gegner aus der Landeshauptstadt von Niedersachsen ist auch eine mögliche Niederlage nicht gänzlich auszuschließen. Bornemann lobt derweil die Charakterstärke seiner Mannschaft, die sich auch von einer möglichen Niederlage nicht beeinflussen lassen würde: „Nein, weil die Mannschaft im Laufe der Hinrunde immer weiter gewachsen ist. Wir hätten nach der Winterpause noch 15 Runden Zeit, um Hannover wieder einzuholen. Ingesamt sehe ich uns im Vergleich zur vergangenen Saison noch gefestigter. Das wollen wir nun auch in Hannover unter Beweis stellen,“ so fällt seine Erklärung dazu aus.
Zweifelsfrei ist diese Hinrunde mit 42 von 54 möglichen erreichten Punkten eine absolut herausragende Leistung. Den ehemaligen Manager vom SC Freiburg und Alemannia Aachen zeichnet jedoch ein enormer Ehrgeiz aus, den er auch in seiner bisherigen Saisonanalyse zeigt, die er gegenüber „DFB.de“ vornimmt: „Unsere kleine Schwächephase zu Saisonbeginn war ein kleiner Makel. Das hatte aber unterschiedliche Gründe: Mit David Urban, Fiete Sykora und Torhüter Morten Jensen sind bei uns feste Größen verletzungsbedingt ausgefallen. Außerdem war die Eingespieltheit der Mannschaft zu diesem Zeitpunkt noch nicht gegeben. Deshalb liegen mir beispielsweise das 0:1 beim VfB Oldenburg oder das 0:2 gegen Wilhelmshaven noch schwer im Magen. Auch das Verbandspo
kal-Aus beim TSV Kropp, wo wir nach Elfmeterschießen 2:4 verloren haben, wurmt uns.“
Besonders beachtlich ist darüber hinaus auch die Tatsache, dass ohne Leistungsträger wie Jaroslaw Linder, Marcel Gebers oder Christian Jürgensen große Teile der Hinrunde bestritten werden mussten. Die imposante Erfolgsserie von Holstein ist ohne dieses wichtige Trio gelungen. Für Bornemann ist dies auch ein Zeichen für die Stärke seines Teams: „Uns ist es in der Tat hervorragend gelungen, die Ausfälle zu kompensieren, obwohl es im Umfeld einige Zweifel gab. Wir rechnen den Jungs die Leistungen hoch an. Doch wir haben uns grundsätzlich darauf verständigt, keine Alibis zu suchen. Wir bekommen schließlich keine Bonuspunkte, wenn wir ohne einige Stammspieler gewinnen.“
Obwohl der heutige Gegner aus Hannover mit 42 erreichten Punkten die exakt gleiche Punktzahl wie der KSV aufweist, möchte Bornemann die U23 des norddeutschen Bundesligisten nicht explizit als Überraschungsmannschaft sehen: „Als Überraschungsmannschaft sehe ich eher den TSV Havelse, der in der Saison 2010/2011 noch sportlich abgestiegen war und nun mit geringen Mitteln ganz oben mitspielt. Hannover 96 II verfügt mit Valérien Ismaël über einen sehr erfahrenen Bundesligaprofi als Trainer und hat sich mit Torjäger Deniz Kadah individuell hervorragend verstärkt. Das Gefüge innerhalb der Mannschaft passt. Ich traue der 96-Reserve in der Restrunde eine ähnliche Serie zu.“
Es ist bundesweit bekannt, dass Kiel eine absolute Handballhochburg ist, die mit dem deutschen Vorzeigeverein THW national und international Rekorde aufgestellt hat. Die Sparkassen-Arena in Kiel ist regelmäßig ausverkauft mit einer fünfstelligen Zuschauerzahl. Nun muss sich der KSV bei der Wahl zur „Nord-Mannschaft des Jahres“ vom NDR mit dem THW duellieren. Bornemann möchte diese beiden Kultvereine nicht miteinander vergleichen: „Das kann man schon alleine nicht miteinander vergleichen, weil es zwei unterschiedliche Sportarten sind. Der THW Kiel zählt schon seit einigen Jahren zu den Weltklasse-Mannschaften im Handball. In einer Stadt mit der Größenordnung von Kiel und knapp 240.000 Einwohnern ist es doch möglich, beide Vereine zu unterstützen. Immerhin sind hin und wieder auch einige Handballer bei uns zu Gast. Zusammen mit den Pokal-Heimspielen gegen den FSV Mainz 05 oder Borussia Dortmund hatten wir in der vergangenen Saison über 80.000 Besucher im Stadion. Zuschauertechnisch müssen wir uns also vor keinem verstecken.“
Bornemann denkt und handelt konzeptionell, denn er möchte auch langfristig den Fußball in der norddeutschen Metropole etablieren. Lobend erwähnt er die Bereiche abseits des grünen Rasens, die in Kiel wirklich vorbildlich erscheinen: „Im Fußball kannst du Erfolg nicht aus dem Boden stampfen und es geht auch nicht im Hauruck-Verfahren. Wenn uns sportlich der nächste Schritt gelingen sollte, dürfen wir nicht unvorbereitet sein. Mit unserer Infrastruktur und unserem Nachwuchsleistungszentrum müssten wir von einem Aufstieg nicht nur in einer Saison profitieren.“
Durch die guten, finanziellen Möglichkeiten konnten vielversprechende Neuzugänge zu Holstein gelockt werden. Jeder neue Spieler hat irgendwie seine Qualitäten unter Beweis stellen können. Bornemann erlaubt sich eine kurze Vorstellung und Bewertung der Neuverpflichtungen: „Ich möchte zum jetzigen Zeitpunkt ungern jemanden herauspicken. Insgesamt lagen wir mit unseren Zugängen nicht so falsch. Im Sturm erfüllt Marcel Schied mit zwölf Toren absolut die Erwartungen, Casper Johansen ist ebenfalls immer besser in Form gekommen. David Urban und Gerrit Pressel waren bis zu ihren Verletzungen ebenfalls gute Verstärkungen. Auch Marlon Krause, der beim FC Carl Zeiss Jena zuvor oft nur in der zweiten Mannschaft aktiv war, hat sich im Laufe der Hinrunde in die Mannschaft gekämpft.“
Trotz der hervorragenden Platzierung möchte Bornemann jedoch keineswegs ausschließen, dass auf dem Transfermarkt noch einmal zugeschlagen wird. Dies macht er im Gespräch mit „DFB.de“ noch einmal allzu deutlich: „Die Möglichkeiten dazu sind vorhanden. Wenn wir tätig werden sollten, dann in erster Linie auf der Innenverteidiger-Position. David Urban fällt wegen eines Kreuzbandrisses bis zum Saisonende aus und auch Marcel Gebers benötigt nach seiner Achillessehnen-Operation etwas Zeit, um an sein altes Leistungsniveau heranzukommen.“
Kontrovers ist der Relegationsmodus schon diskutiert worden, da eine Art Qualifikation der erstplatzierten Teams aus den fünf Regionalligastaffeln zur Ermittlung der künftigen Drittliga-Aufsteiger ermittelt werden muss. Die Konsequenzen im Hinblick auf die Planungen für die kommende Saison sind dementsprechend schwerwiegend, wie Bornemann bestätigen kann: „Dazu muss man ja nur einen Blick auf den Kalender werfen. Da die Relegation erst Ende Mai/Anfang Juni stattfindet, ist das Zeitfenster zur kommenden Drittliga-Saison, die schon Ende Juli beginnt, recht knapp. Da werden uns nur wenige Wochen zur Verfügung stehen, um den Kader zusammenzustellen. Unser Ziel ist es, früh den groben Kern des Kaders zu halten und uns im Aufstiegsfall auf zwei bis vier Position mit Spielern zu verstärken, die Erfahrung in dieser Liga haben.“
Über viele Jahre hat Bornemann zusammen mit Volker Finke beim SC Freiburg zusammengearbeitet. Da ist es geradezu verständlich, dass der Einfluss immer noch spürbar ist, wie Bornemann bestätigen kann: „Ganz klar: Die Zeit beim SC Freiburg hat mich sehr geprägt. Volker Finke ist jemand, der in Freiburg 16 Jahre mehr als jeder andere herausragende Arbeit geleistet und mit dem Nachwuchsleistungszentrum sowie der Fußballschule den Weg eingeleitet hat, von dem der Verein bis heute lebt. In unserer Denkweise sind wir beide uns mit Sicherheit ähnlich.“
Die Nachwuchsarbeit genießt für Bornemann anscheinend absolute Priorität, da die Identifikation zum Verein gestärkt werden kann und gleichzeitig auch eine kostengünstige sportliche Lösung präsentiert werden kann. Mit dem jetzigen KSV-Trainer Thorsten Gutzeit arbeitet der ehemalige U19-Trainer von Holstein Kiel in verantwortlicher Position bei den „Störchen.“ Bornemann begründet nun seine Wahl: „Es ist sehr schwer, eine Philosophie von einem auf einen anderen Verein eins zu eins zu übertragen. Nach dem Abstieg in die Regionalliga mussten wir die Uhren auf Null stellen. Dabei haben wir vor allem an unser Nachwuchsleistungszentrum und damit an Thorsten Gutzeit gedacht. Es gibt nur wenige Regionalligisten, die über ein professionelles NLZ verfügen. Mit ihm haben wir genau den richtigen Weg eingeschlagen.“
Einige Kritiker sind immer noch skeptisch, ob Holstein Kiel tatsächlich den lang ersehnten Aufstieg in die 3. Liga schaffen kann. Grund dafür ist die vergangene Spielzeit, wo der Hallesche FC den amtierenden Herbstmeister noch überholen konnte. Bornemann ist in dieser Spielzeit jedoch überzeugt davon, dass sich so etwas nicht noch einmal wiederholen wird: „Weil der Hallesche FC nicht mehr in unserer Liga spielt (lacht). Im Ernst: Ich glaube, dass uns die DFB-Pokalspiele in der vergangenen Saison viel Kraft gekostet hatten, die vielleicht am Ende fehlte. Denn genau zum Beginn der Rückrunde bekamen wir damals einen kleinen Durchhänger. Nun können wir uns ganz auf die Liga konzentrieren und haben 16 Endspiele, um am Ende nicht wieder auf Platz zwei zu stehen.“ Es ist davon auszugehen, dass Holstein Kiel aufgrund der enormen personellen Qualität sich berechtigte Hoffnungen auf den Aufstieg in die 3. Liga machen darf.


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Quelle: dfb.de
Autor: Henning Klefisch
Schlagworte: Holstein Kiel; Hannover 96 II; Bornemann; Jensen; Sykora; Kadah; Pressel; Urban; Krause
Datum: 10.12.2012 19:02 Uhr
Url: http://www.4-liga.com/nachrichten-holstein-kiel-manager-bornemann--„wir-sind-jetzt-noch-gefestigter“-3157.html
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